So geht Siemens mit Betriebsräten um
Die Kollegin Isabella Paape, Betriebs- rätin bei Siemens Energy in Erlangen, wurde im November 2025 fristlos und ohne Begründung gekündigt. Sie hatte sich immer konsequent für die Rechte ihrer Kolleginnen und Kollegen eingesetzt. Die Kündigung sollte offensichtlich eine erneute Kandidatur verhindern.
Im Januar 2026 entschied das Gericht im Eilverfahren, dass die Kollegin Zutritt zum Betrieb bis zur abgeschlossenen Betriebsratswahl am 5. März haben muss. (AufDraht berichtete.)
Die ihr gerichtlich zugesicherte Möglichkeit zur Werbung für ihre Kandidatur wurde jedoch ziemlich eingeschränkt. Bei Gesprächen mit Beschäftigten am Arbeitsplatz wurde sie von einem Werksschützer begleitet. Die Angesprochenen hielten sich mit Aussagen zu ihren Beschäftigungsbedingungen sehr zurück. Befürchteten sie doch, dass der Uniformierte neben der Kollegin Inhalte des Gesprächs der Betriebsleitung zuträgt.
Trotz der Behinderung ihrer Wahlwerbung wurde Kollegin Paape als Listenführerin wieder gewählt. Ihre Liste „Gemeinsam AKTIV” verbesserte sich von zwei auf drei Sitze. Die Liste „Wir für Energy” konnte sich um vier auf 12 Sitze verbessern. Beide Listen werden von der IG Metall unterstützt.
Regelrecht abgestürzt ist hingegen die „Freie Liste“, die den Betriebsratsvor- sitzenden stellte. Sie verfügt nur mehr über eine knappe Mehrheit im neuen Betriebsrat. Das Wahlergebnis bedeutet wohl eine Abstrafung der widerstandslo- sen Hinnahme der fristlosen Kündigung durch den alten Betriebsrat. Kollegin Paape zum Ergebnis: „Die Beschäftigten haben sich entschieden: Für mehr Demokratie und Beteiligung, für Tarifbindung und Stärkung der IG Metall.“
Kündigung unwirksam
Das Arbeitsgericht Nürnberg hat am 16. April 2026 entschieden: Die fristlose Kündigung war nicht rechtswirksam, Siemens Energy muss Kollegin Paape weiterbeschäftigen!
Dieser Erfolg ist nicht nur ihr persönlicher Sieg – er ist auch ein Ergebnis der breiten Unterstützung, die sie in den vergangenen Monaten erfahren hat.
Widerstand, zumal solidarisch, kann etwas bewegen!
Der Artikel entstammt der April-Ausgabe der AufDraht
