Friedensproteste in Grafenwöhr: Sich nicht in falscher Sicherheit wiegen!
Aktionsbericht der DKP Bayern zur Friedenskundgebung in Grafenwöhr am 30.05.2026
Erneut haben am vergangenen Samstag rund 150 Menschen in Grafenwöhr gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen und gegen die fortschreitende Militarisierung protestiert. Neben Wiesbaden war Grafenwöhr damit einer der beiden zentralen Protestorte der Friedensbewegung in Deutschland an diesem Wochenende. Getragen wurde die Kundgebung von einem breiten Bündnis der bayerischen Friedensbewegung, das auch von der DKP und der SDAJ Bayern unterstützt wurde.
Ursprünglich richtete sich der Hauptschlag des Protests gegen die Pläne der US-Regierung, neue Mittelstreckenwaffen in Deutschland zu stationieren. Die vorgesehenen Raketensysteme erreichen Ziele bis weit nach Russland und sind damit Teil einer gefährlichen Eskalationsstrategie. Nachdem Trump diese Pläne vorerst verworfen hat, entstand innerhalb der Friedensbewegung eine Diskussion darüber, ob die Proteste in der aktuellen Form weiterhin notwendig seien.
Die Redebeiträge in Grafenwöhr machten jedoch deutlich, warum der Protest weiterhin wichtig bleibt. Denn die Militarisierung beschränkt sich nicht auf mögliche Erstschlagsysteme. Sie durchdringt alle Bereiche der Gesellschaft.
So zeigte Elisabeth Heyn vom Fürther Friedensforum auf, wie sich die Militarisierung im Gesundheitswesen bemerkbar macht. Marian Janka von der GEW Cham thematisierte die sozialen Folgen der Aufrüstungspolitik und machte deutlich, dass Milliarden für Rüstung immer auf Kosten von Bildung, Soziales und öffentlicher Daseinsvorsorge gehen.
Wie wir im Interesse der Kriegsvorbereitung manipuliert werden, machte besonders eindringlich Aaron vom Schulstreikkomitee gegen die Wehrpflicht Nürnberg deutlich. Die gleichen Lügen, mit denen heute Aufrüstung und Raketenstationierungen gerechtfertigt werden, seien auch die Grundlage dafür, junge Menschen mittels Wehrpflicht für die Schützengräben zu mobilisieren. Er betonte außerdem die Notwendigkeit, dass die ältere und die jüngere Friedensbewegung gemeinsam gegen Militarisierung und Kriegspolitik kämpfen.
Die Kundgebung machte deutlich: Unser Widerstand richtet sich nicht nur gegen einzelne Raketensysteme in Grafenwöhr. Er richtet sich gegen die gesamte Kriegsvorbereitung von USA, NATO und Bundesregierung. Die geplanten Mittelstreckenwaffen stehen exemplarisch für einen Kurs, der auf militärische Eskalation setzt und bewusst die Gefahr einer direkten Konfrontation mit Russland in Kauf nimmt und Deutschland zur Angriffsfläche macht. Zugleich zeigt die Debatte um Wehrpflicht, Sozialabbau und die Militarisierung ziviler Bereiche, dass die Kriegsvorbereitung längst die gesamte Gesellschaft erfasst hat.
Trotz der Diskursverschiebung in der Frage der Mittelstreckenwaffen gingen in Wiesbaden rund 2.000 und in Grafenwöhr 150 Menschen auf die Straße. Denn die Gefahr ist keineswegs gebannt. Die Außen- und Militärpolitik der USA hat in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, wie schnell strategische Entscheidungen revidiert werden können. Gleichzeitig hat Verteidigungsminister Boris Pistorius bereits angekündigt, die vorgesehenen Tomahawk-Raketen notfalls auch ohne die USA beschaffen zu wollen, ehe man mittelfristig in der EU eigene Waffen dieses Kalibers produzieren möchte.
Für die DKP Bayern steht deshalb fest: Unser Kampf gegen Mittelstreckenraketen, Aufrüstung und Militarisierung ist nicht vorbei. Gerade die Entwicklungen der vergangenen Monate zeigen, wie notwendig eine breite Aktionseinheit der Friedenskräfte bleibt.
Der Protest in Grafenwöhr war deshalb ein Erfolg. Sie zeigte einmal mehr wie wichtig auch die Breite der Friedensbewegung ist. Unser Dank gilt allen beteiligten Organisationen, den Rednerinnen und Rednern sowie den vielen Menschen, die den Protest unterstützt haben.
Es war richtig, sich nicht von kurzfristigen Entscheidungen der US-Regierung beirren zu lassen. Auch in Zukunft wird es notwendig sein, gemeinsam Widerstand gegen Kriegsvorbereitung und Militarisierung zu organisieren – in Grafenwöhr, in Bayern und bundesweit.
